Workshop Privatrecht

Der Workshop Privatrecht bietet ein Forum, um interessierten Kolleginnen und Kollegen die eigenen wissenschaftlichen Projekte vorzustellen. Wir streben einen zwanglosen Gedankenaustausch über Ideen an, die noch nicht fertig ausgearbeitet zu sein brauchen.

In den letzten Semestern fand der Workshop mittags statt – um 12:30 Uhr im Format „Brownbag Lunch“ – in der Regel mittwochs. Der Treffpunkt ist in der Ludwigstr. 29 in Raum 209.

Nächster Termin: 3. Dezember 2025

Wer regelmäßig über das Programm informiert werden möchte, kann sich auf unseren E-Mail-Verteiler setzen lassen. Assistierende und wissenschaftliche Mitarbeitende der Juristischen Fakultät erhalten die Hinweise automatisch über den Assistierendenverteiler.

Programm im Wintersemester 2025/2026

DatumThema
Mittwoch, 3. Dezember 2025Niklas Wais

Prädiktion gerichtlicher Entscheidungen: Grundlagen, Forschungsstand und Perspektiven

Die Frage nach der Vorhersehbarkeit von Urteilen hat stets polarisiert. Der US-amerikanische Politikwissenschaftler Stuart Nagel bezeichnete Modelle zur erfolgreichen Prognose des richterlichen Entscheidungsverhaltens schon 1960 als "dream of many law students and a nightmare to the culture complex of legal and juridical professions". Angesichts von Modellen, für die Treffgenauigkeiten von bis zu 98 % angegeben werden, scheint es inzwischen ‒ im Zeitalter des Maschinellen Lernens ‒ fraglich zu sein, ob dieser (Alb-)Traum "in Ewigkeit unerfüllbar" (Hermann Kantorowicz) bleiben wird. Im Vortrag sollen die Grundlagen der Entscheidungsprognose dargestellt, aktuelle Ergebnisse nüchtern eingeordnet und zukünftige Entwicklungen des Forschungsfelds antizipiert werden.
Mittwoch, 14. Januar 2026Dr. Tristan Radtke, LL.M. (NYU)

Die KI-VO und das Privatrecht

Die KI-VO ist primär produktsicherheitsrechtlich konzipiert und sieht vor allem die Rechtsdurchsetzung durch staatliche Stellen als sog. Public Enforcement vor. Die Durchsetzung mittels privatrechtlicher Ansprüche erscheint demgegenüber konzeptionell von untergeordneter Bedeutung und bleibt vor allem dem mitgliedstaatlichen Recht überlassen. Vor diesem Hintergrund gibt der Vortrag einen Überblick über die privatrechtliche Dimension der KI-VO, reflektiert diese Dimension kritisch vor dem Hintergrund der Ziele und (nicht nur) produktsicherheitsrechtlichen Konzeption der KI-VO und bietet Anlass zur Diskussion über die gebotene Auslegung der Vorschriften sowie über allfälligen gesetzgeberischen Nachbesserungsbedarf.

Kontakt

Der Workshop Privatrecht wird koordiniert von:

Diana Liebenau
Ass. jur. Diana Liebenau, LL.M. (Harvard)

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Dr. jur. Lucie Antoine

Akademische Rätin a. Z.

Dr. jur. Ann-Kristin Mayrhofer

Akademische Rätin a. Z.

Programm vergangener Semester

Mittwoch, 2. Juli 2025
Dr. Dierk Schindler & Dr. Bernhard Waltl: Künstliche Intelligenz in der Rechtsanwendung: Aktuelle Trends und Zukunftsaussichten

Die Nutzung Künstlicher Intelligenz (KI) im juristischen Bereich erfährt eine beispiellose Expansion. Produkte juristischer Fachverlage wie "Frag den Grüneberg", "Otto-Schmidt Assist" und die sogenannten Legal AI Workplaces treiben diese Entwicklung voran. Neben technologischen Fortschritten tragen auch erhebliche Investitionen dazu bei, dass KI immer tiefer in die juristische Welt eindringt. Anwendungsbeispiele für die universitäre Praxis sind juristische Recherchen, Urteilssynopsen und die Überarbeitung von Seminararbeiten. Aber welche Technologie steckt hinter dieser Entwicklung? Welche Auswirkungen sind für die Rechtswissenschaft und Praxis zu erwarten? Wie sollte eine führende juristische Fakultät reagieren? Wie könnte ein "Prompting Guide" für angehende Jurist:innen aussehen? Diese und weitere Fragen wollen wir anhand konkreter Beispiele diskutieren.

Mittwoch, 16. Oktober 2024
Marc Wiesner, LL.M. (Yale): Ad hoc Publizität und empirische Rechtswissenschaft

Führt die Ad-hoc-Publizität Anleger in die Irre? Und löst der EU Listing Act den gordischen Knoten der Behandlung gestreckter Geschehensabläufe? Und was kann die empirische Rechtswissenschaft in dieser Hinsicht für die Normsetzung und Normauslegung leisten? Wie kann sich die empirische Forschung “smarter” Helfer bedienen und welche methodischen Fragen stellen sich bei der Verwendung von Large Language Models? Diesen und weiteren Fragen wollen wir am Beispiel der anstehenden Reform der Ad-hoc-Publizität durch das EU-Listing nachgehen.

Mittwoch, 6. November 2024
PD Dr. Johanna Stark, M.Phil.: Politisches Gesellschaftsrecht

Die politische Indienstnahme des Gesellschaftsrechts durch den nationalen wie auch unionalen Gesetzgeber erfährt derzeit besonders große mediale und rechtspolitische Aufmerksamkeit. Unter dem Stichwort „politisches Gesellschaftsrecht“ wird eine Debatte auch darüber geführt, welcher Spielraum für politische Positionierungen gesellschaftsrechtlicher Akteure abseits wirtschaftlicher Rationalität besteht, wenn also solche Positionierungen auch prospektiv nicht mit den Ertragschancen des betroffenen Unternehmens verknüpft sind oder diesen gar entgegenlaufen. Der Vortrag nimmt diese Dimension von Indienstnahme des Gesellschaftsrechts durch von ihm adressierte Akteure in den Blick und fragt nach Handlungsspielräumen, die sich aus dem geltenden Regelungsrahmen insbesondere für Leitungsorgane von Aktiengesellschaften ergeben.

Mittwoch, 15. Januar 2025
Dr. jur. Azur Coulmas: Das genehmigte Kapital – Segen für den Vorstand, Fluch für die Aktionäre?

Das genehmigte Kapital ermöglicht dem Vorstand einer Aktiengesellschaft, eine Kapitalerhöhung durchzuführen, ohne die Hauptversammlung einzuberufen. Dies bedeutet vor allem eins: schnell und flexibel auf Marktentwicklungen reagieren zu können. Für die Bestandsaktionäre birgt dies allerdings die Gefahr der Wertverwässerung, gegen die sie sich praktisch nicht wehren können. Während Aktionäre bei anderen Kapitalerhöhungen nach jüngerer Aktienrechtsreform die Bewertung der neu ausgegebenen Aktien rügen können, müssen die Aktionäre eine potentielle Falschbewertung bei einer genehmigten Kapitalerhöhung schlicht hinnehmen. Dies wirft Fragen auf: Warum unterliegt das genehmigte Kapital einer Sonderbehandlung im Vergleich zur herkömmlichen Kapitalerhöhung? Ist diese Sonderbehandlung erstens notwendig, damit das Instrument nicht seiner Hauptmerkmale entledigt wird und zweitens durch seine Funktionalität gerechtfertigt?

  • Dr. Klaus Wiedemann: Die Preisfrage – Künstliche Intelligenz als Mittel der Preisbestimmung
  • Dr. Nada Ina Pauer: Zivilrechtliche Fragen des Data Act

  • Dr. Tobias Endrich-Laimböck, MJur (Oxford): Deliktische Klage ohne eigenes Recht
  • Peter Zickgraf: Sorgfaltspflichten und Haftung in der Lieferkette als Regelungsmodell
  • Ass. jur. Michael Primbs: Verbandsautonomie und die Grenzen des Informationsaustauschs zwischen Wettbewerbern im Profisport

  • Ass. jur. Diana Liebenau, LL.M. (Harvard): Bilderjurisprudenz – Visualisierung in gerichtlichen Entscheidungen als Rechts- und Methodenproblem
  • Dr. jur. Johannes Melchior Blaschczok: „The Legal Aspect of Virtual Money“ – Zu den Verordnungsvorschlägen der Kommission im Rahmen des Digital Euro Package
  • Dr. jur. Ann-Kristin Mayrhofer: Produkthaftung im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz
  • PD Dr. jur. David Paulus: „Diesel-Abgasskandal“ und deutsches Schadens(ersatz)recht

  • Dr. Matthias Lüdeking, M.A.: Subsumtion ohne Definition
  • Diana Liebenau, LL.M. (Harvard): Antisemitische Kunst im öffentlichen Raum – vom Schandmal zum Mahnmal und vom Denkmal zum Denk-mal-nach über den zivilrechtlichen Beseitigungsanspruch
  • Dr. Nina Schrott: Zur Feststellbarkeit und Systematisierung judikativer „Schlechtleistungen“ und ihrer Verortung zwischen Recht, Unrecht und Nichtrecht
  • Dr. Kristina Peters: Implikationen von Webers Wissenschaftstheorie für die Rechtswissenschaft

  • Dr. Elisabeth Heukenkamp, Maître en Droit: Die Kündigung im elektronischen Schriftsatz
  • Yero Sy: Das Schutzgut der informationsgestützten Marktmanipulation und seine Konsequenzen für die Auslegung des Marktmanipulationsverbots
  • Lisa Thalmeir: Elternautonomie und alternative Streitbeilegung: Die grenzüberschreitende Durchsetzung elterlicher Entscheidungen in Kindschaftssachen

  • Dr. Silvia Deuring: Einwilligungsschranken im Zivilrecht
  • Daniel Philip Deranco: Rückabwicklung von Zuschauerverträgen in der Corona-Pandemie
  • Tobias Grzeski: Unternehmerische Verantwortung in der Wertschöpfungskette: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser?

  • Charlotte Wendland, M. Jur. (Oxford): Lebzeitige Zuwendungen auf den Todesfall im Europäischen IPR
  • Richard Rachlitz, LL.M. (Stellenbosch): Wissen als Element des Tatbestands privatrechtlicher Normen
  • Dr. Patrick Zurth, LL.M. (Stanford): Die Usurpationslehre Pickers: Siegeszug ins digitale Zeitalter?

  • Moritz Reichert: Europäisierung der Prospekthaftung?
  • Tobias Bachmeier, LL.M. (Edinburgh): Die territoriale Reichweite der Verbraucherschutznormen der Brüssel Ia-VO und deren Verhältnis zu Drittstaaten
  • Eva Fischer: Die Nachfolgehaftung im Kartellrecht aus Sicht des Kohärenzgebots

Weiter zurückliegende Veranstaltungen, beginnend im Jahr 2004, sind im Archiv (PDF, 477 KB) aufgelistet.